Nachdem dieser Winter den Namen wirklich verdient und auch meine Kräuter ziemlich eingeschneit sind (siehe Bild, alles andere ragt schon gar nicht mehr aus dem Schnee), hier ein kleiner Tipp für alle, die sich gerne in sommerliche Gefilde wünschen – eine Flasche Anarkos von der Accademia dei Racemi. Nicht nur, dass die Weine durchweg gut sind, die Erzeugergemeinschaft setzt sich auch bewusst vom Massenbetrieb ab.
Eine Flasche dieses apulischen Weines hilft mir gerade bei der Beschäftigung mit dem Thema “stochastische Resonanz“. Als Funkamateur bin ich an der Sonne und ihrer Aktivität vielleicht eher interessiert als der Duchschnittsmensch, das Phänomen der stoachstischen Resonanz beschränkt sich aber nicht nur auf Daansgard-Oeschger-Ereignisse. Warum ich das alles schreibe? Weil ich zum Valentinstag von meinen Mädels Schätzings Buch “Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Eine Zeitreise durch die Meere” bekommen habe. Lesenswert. Aus drei Gründen: erstens, weil es zeigt, wie ein erfolgreicher Autor “Resteverwertung” betreibt; zweitens, weil es ein im Plauderton an der Hotelbar gehaltener Abriss des aktuellen Standes so ziemlich der gesamten Meeresforschungsthemen ist und drittens ist es ein schönes Beispiel, wo der Grenzwert des “Ich bring’ mal einen Kalauer” in einem Sachbuch liegt — eine Stufe unter dem, was Herr Schätzing da schreibt. Ich bin ja auch ein Freund eines eher lockeren Schreibstils, aber man kann es auch übertrieben. Abgesehen davon ist das Buch jedem zu empfehlen, der schon einmal America’s “Horse without a name” gehört hat: “the ocean is a desert with its life underground and the perfect disguise all above“.
Es ist schon faszinierend, wieder einmal vor Augen geführt zu bekommen, wie weit meine “Muss ich unbedingt mal lesen” – Liste mittlerweile ist. Ich hatte mit vor ungefähr fünf Jahren das Buch “Fooled by Randomness” bestellt und das Buch dann aus irgendeinem Grund nicht bekommen. Jetzt bin ich bei einer Recherche wieder auf den Autor, Nassim Nicholas Taleb, gestoßen. Der Mann hat mittlerweile einen Rockstar-Status, nicht ganz zu unrecht. Wenn Bücher bzw. ihre Autoren beinahe oder Zwischentöne entweder auf den Olymp gehoben oder in tiefste Tiefen verrissen werden, dann klingt das für mich nach einer interessanten Lektüre. Oder wie Dr. Werner Fuchs in seiner Amazon-Rezension schreibt: “Denn dies deutet meist darauf hin, dass es sich um Angriffe auf Glaubensmodelle handelt, deren Infragestellung Verhaltensmuster ebenso erschüttern wie Institutionen und Bildungsstätten. Entsprechend harsch reagieren denn auch viele Leser.” Dem kann ich nur beipflichten.
Wem der Name Nassim Taleb gar nichts sagt, kann entweder die Wikipedia befragen (sorry für den englischen Link, aber der deutsche Artikel ist nur ein müder Abklatsch) oder sich erst einmal mit der “Theorie des schwarzen Schwans” (hier auch mit Video) beschäftigen. Alternativ gibt es noch ein etwa zehnminütiges Video im Gespräch mit Arianna Huffington. Auch wenn seine derzeitige Beweihräucherung etwas stark ausfällt, vertritt er dennoch eine äußerst interessante Position, der ich in Sachen Finanzpolitik nur zustimmen kann. Nicht zuletzt sind seine “Zehn Grundsätze für eine Scharzer-Schwan-tolerante Welt” in entsprechender Form durchaus auch in der IT-Welt bekannt (oder sollten es zumindest sein). Um den Kreis zum Anfang zu schließen: dieses Jahr steht N.N. Taleb ziemlich weit oben auf meiner Liste … ;-)
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