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Dem Winter entfliehen

15. Februar 2010 Arminius Kommentare ausgeschaltet

Lavendel im SchneeNachdem dieser Winter den Namen wirklich verdient und auch meine Kräuter ziemlich eingeschneit sind (siehe Bild, alles andere ragt schon gar nicht mehr aus dem Schnee), hier ein kleiner Tipp für alle, die sich gerne in sommerliche Gefilde wünschen – eine Flasche Anarkos von der Accademia dei Racemi. Nicht nur, dass die Weine durchweg gut sind, die Erzeugergemeinschaft setzt sich auch bewusst vom Massenbetrieb ab.

Eine Flasche dieses apulischen Weines hilft mir gerade bei der Beschäftigung mit dem Thema “stochastische Resonanz“.  Als Funkamateur bin ich an der Sonne und ihrer Aktivität vielleicht eher interessiert als der Duchschnittsmensch, das Phänomen der stoachstischen Resonanz beschränkt sich aber nicht nur auf Daansgard-Oeschger-Ereignisse. Warum ich das alles schreibe? Weil ich zum Valentinstag von meinen Mädels Schätzings Buch “Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Eine Zeitreise durch die Meere” bekommen habe. Lesenswert. Aus drei Gründen: erstens, weil es zeigt, wie ein erfolgreicher Autor “Resteverwertung” betreibt; zweitens, weil es ein im Plauderton an der Hotelbar gehaltener Abriss des aktuellen Standes so ziemlich der gesamten Meeresforschungsthemen ist und drittens ist es ein schönes Beispiel, wo der Grenzwert des “Ich bring’ mal einen Kalauer” in einem Sachbuch liegt — eine Stufe unter dem, was Herr Schätzing da schreibt. Ich bin ja auch ein Freund eines eher lockeren Schreibstils, aber man kann es auch übertrieben. Abgesehen davon ist das Buch jedem zu empfehlen, der schon einmal America’s “Horse without a name” gehört hat: “the ocean is a desert with its life underground and the perfect disguise all above“.

Das Konzept “Mag+”

5. Januar 2010 Arminius Kommentare ausgeschaltet

Möglicherweise ist die Zukunft einiger Zeitschriften doch nicht so düster. Während alle Welt auf das Tablet von den Leuten aus Cupertino wartet, haben sich andere Gedanken gemacht, wie die sinnvolle Weiterentwicklung einer Benutzeroberfläche für das Lesen von Magazinen in elektronischer Form aussehen könnte.

Tatsache ist, dass die bisherigen UI-Konzepte für die Zukunft nicht weiter helfen. WIMP ist als Konzept älter als die Mondlandung, was das in IT-Jahren bedeutet, kann sich jeder selbst ausrechnen ;-) Gut zu sehen, dass moderne Ansätze existieren, am praktischen Gebrauch dieser neuen Geräte ausgerichtete Bedienkonzepte zu ermöglichen.

Schwarze Schwäne – Lesefutter fürs neue Jahr

3. Januar 2010 Arminius Kommentare ausgeschaltet

Es ist schon faszinierend, wieder einmal vor Augen geführt zu bekommen, wie weit meine “Muss ich unbedingt mal lesen” – Liste mittlerweile ist. Ich hatte mit vor ungefähr fünf Jahren das Buch “Fooled by Randomness” bestellt und das Buch dann aus irgendeinem Grund nicht bekommen. Jetzt bin ich bei einer Recherche wieder auf den Autor, Nassim Nicholas Taleb, gestoßen. Der Mann hat mittlerweile einen Rockstar-Status, nicht ganz zu unrecht. Wenn Bücher bzw. ihre Autoren beinahe oder Zwischentöne entweder auf den Olymp gehoben oder in tiefste Tiefen verrissen werden, dann klingt das für mich nach einer interessanten Lektüre. Oder wie Dr. Werner Fuchs in seiner Amazon-Rezension schreibt: “Denn dies deutet meist darauf hin, dass es sich um Angriffe auf Glaubensmodelle handelt, deren Infragestellung Verhaltensmuster ebenso erschüttern wie Institutionen und Bildungsstätten. Entsprechend harsch reagieren denn auch viele Leser.” Dem kann ich nur beipflichten.

Wem der Name Nassim Taleb gar nichts sagt, kann entweder die Wikipedia befragen (sorry für den englischen Link, aber der deutsche Artikel ist nur ein müder Abklatsch) oder sich erst einmal mit der “Theorie des schwarzen Schwans” (hier auch mit Video) beschäftigen. Alternativ gibt es noch ein etwa zehnminütiges Video im Gespräch mit Arianna Huffington. Auch wenn seine derzeitige Beweihräucherung etwas stark ausfällt, vertritt er dennoch eine äußerst interessante Position, der ich in Sachen Finanzpolitik nur zustimmen kann. Nicht zuletzt sind seine “Zehn Grundsätze für eine Scharzer-Schwan-tolerante Welt” in entsprechender Form durchaus auch in der IT-Welt bekannt (oder sollten es zumindest sein). Um den Kreis zum Anfang zu schließen: dieses Jahr steht N.N. Taleb ziemlich weit oben auf meiner Liste … ;-)

The shape of things to come

20. November 2009 Arminius Kommentare ausgeschaltet

Dies ist eines der Themen, die mich zur Zeit beschäftigen und sobald ich etwas mehr Zeit habe, werde ich dazu auch schreiben, aber wenn Tim O’Reilly und Joe Hewitt einen Artikel schreiben, dann ist das eine ganz andere Liga. Immerhin, diese Entwicklung fällt mir auch seit Monaten auf und ich empfehle die Lektüre beider Artikel.

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Visualisierung statt Datenbrei

2. März 2009 Arminius 1 Kommentar

Es gibt diesen abgedroschenen Spruch “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”. In vielen Fällen stimmt er allerdings. Gerade in einer Welt, in der immer mehr Informationen auf einen einstürmen, die verarbeitet (und vor allem verstanden) werden wollen, ist Visualisierung oft der einzige Weg, aus Daten Informationen zu machen.

Kleiner Einschub: Daten und Informationen sind nicht dasselbe. Das Münchner Telefonbuch sind erstmal nur Daten. Die Liste der plastischen Chirurgen sowie der Juweliere und der Edelboutiqen auf einen Stadtplan visualisiert, das sind Informationen.

Nachdem ich in der letzten Zeit über einige sehr interessante Dinge aus den verschiedensten Bereichen gestolpert bin, möchte ich Ihnen diese nicht vorenthalten. Als erstes eine aktuelle Visualisierung, die statt ellenlanger Texte mit Fachausdrücken sehr gekonnt die prinzipiellen Ursachen der Finanzkrise aufzeigt. Ich hab’ endlich verstanden, was mit dem Ausdruck CDO in der Finanzwelt bezeichnet wird (und wenn ich das auch nur zur Hälfte richtig verstanden habe, trägt es nicht dazu bei, meine Annahme über den durchschnittlichen IQ eines Investmentbankers zu revidieren). Falls jemand so etwas auf Deutsch hat, bitte melden. Danke an Jonathan Jarvis.


The Crisis of Credit Visualized from Jonathan Jarvis on Vimeo.

Wenden wir uns etwas optimistischerem zu. Wer auf TED.com noch nicht die Präsentation von Hans Rosling gesehen hat, sollte das jetzt tun (ich warte solange, kein Problem).

Die Website, auf der sich das Ganze interaktiv selbst ausprobieren lässt, ist www.gapminder.org – sehr empfehlenswert. Warum wird sowas nicht im Schulunterricht eingesetzt? Aber das ist ein anderer Post …

Ich fliege beruflich zwar nicht mehr so viel wie in früheren Positionen, aber es reicht, um morgens ohne Kaffee im Halbschlaf in MUC das richtige Gate zu finden. ;-) Gerade Flugdaten sind aber ein sehr gutes Beispiel, um den Sinn einer Visualisierung zu zeigen. So werden aus einer Halde von Daten Muster erkennbar, wie im folgenden Beispiel.

Der Link zum Video auf YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=1XBwjQsOEeg

Ein weiterer solcher Link ist http://www.youtube.com/watch?v=YJ4d2j6Kir8 oder http://www.youtube.com/watch?v=cQTAfIf_AOk Schön sind auch die Arbeiten von Aaron Koblin.

Das tollste Beispiel ist meiner Meinung nach eine Diplomarbeit an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. Die Echtzeitdarstellung des Verkehr rund um Zürich Kloten! Der Link dazu ist http://radar.zhaw.ch/radar.html und die Seite ist wirklich einen Blick wert. Wer also wissen will, ob die Kollegin schon gelandet ist oder wann der Papa auf den Heimweg startet, hier lässt sich das zeigen.

Wer sich für die verschiedenen Ansätze interessiert, die für die Visualisierung komplexer Netzwerke benutzt werden, der wird hier fündig. Als Softwaremensch kann ich natürlich nicht umhin, zumindest einen Link anzubieten, falls Sie sowas selbst erstellen wollen und sich jede Menge Arbeit sparen wollen: Processing. Wer etwas Java (oder eine Sprache in der Richtung) beherrscht, kommt hier schnell zu Ergebnissen. Den Datenhaufen zum Visualisieren müsse Sie sich allerdings selbst suchen.

Manchmal lassen sich Informationen aus Daten gewinnen, die überhaupt nicht danach aussehen. Ein schlauer Kopf bei Google ist auf die Idee gekommen, dass Leute, die an Grippe erkrankt sind, natürlich auch in Google nach Medikamenten und Behandlungen suchen. Also lassen sich diese Suchanfragen auswerten uns auf einer Karte der Vereinigten Staaten visualisieren – fertig ist Google Flu Trends! Und ja, damit lassen sich Vorhersagen machen, welche zwei Wochen schneller verfügbar sind, als die offiziellen CDC-Reports.

Oh, Mitternacht. Damit also genug für heute und ein Gruß an eine ehemalige Kollegin, die auf den Artikel zum Thema Schätzung, Aufwandsschätzung und andere Katastrophen, noch etwas warten muss. ;-)

Regel #1: Stammdatenpflege

7. November 2008 Arminius Kommentare ausgeschaltet

Auch dieses Jahr durfte ich auf der crm-expo in Nürnberg wieder einen Vortrag halten. Aus Erfahrungen bei Projekten hatte ich mich für das Thema Stammdatenmanagement entschieden. Für alle, die nachlesen wollen, was ich zu sagen hatte, gibt es unten die Links zu den Folien und zum Handout mit ausführlichem Text. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Zuhörern nochmal für die Zeit und Aufmerksamkeit bedanken! Sollte jemand die Inhalte für eigene, interne Präsentationen im Unternehmen verwenden wollen, bitte schön! Je mehr dieses Thema beachtet wird, umso besser.

Slides zum Vortrag

Handout zum Vortrag

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Rauschen im elektronischen Blätterwald

6. September 2008 Arminius Kommentare ausgeschaltet

Es ist faszinierend zu sehen, wie die (noch dazu etwas verfrühte) Bereitstellung der Betaversion einer Software Schockwellen durchs Netz und die Offline-Medienwelt treiben kann. Spätestens, wenn in den abendlichen Hauptnachrichten im Fernsehen über die Veröffentlichung einer Software berichtet wird, wird einem bewusst, wie sehr das Web mittlerweile in den Alltag eingedrungen ist. Für eine ganze Reihe von Internetnutzen, auch in meinem persönlichen Bekanntenkreis, ist Google das Internet. Genau wie im Artikel von Fank Patalong unten ist die unscheinbare kleine Textbox für die Suchanfragen das Tor zum Web. Sehr interessant finde ich den Artikel in Wired, vor allem die auch in anderen Blogs genannte Aussage, dass das Projekt “Browser und WebApp-Runtime” wohl schon einige Jahre länger geplant war, aber erst jetzt die Kriegskasse und die Marktdurchdringung groß genug ist, das zu wagen.

Steven Levy, “Inside Chrome: The Secret Project to Crush IE and Remake the Web”
http://www.wired.com/techbiz/it/magazine/16-10/mf_chrome

Ulf Schönert, “Google hat nichts zu verschenken”
http://www.stern.de/computer-technik/internet/:Kommentar-Google/638037.html

Ben Gerten, “Haben Sie´s gewußt: Google finanziert den Firefox”
http://blogs.taz.de/frauprokop/2008/09/05/google_finanziert_firefox_mozilla_chrom/

Golem.de: Chrome: Google ändert Nutzungsbedingungen
http://www.golem.de/0809/62201.html

Frank Patalong, “Wie Google den Desktop kapern will”
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,575751,00.html

Scott Loganbill, “How Chrome Changed the Web Overnight”
http://www.webmonkey.com/blog/How_Chrome_Changed_the_Web_Overnight

 

Natürlich könnte ich mich jetzt der Meinung vieler anderer anschließen und hier über die datenschutztechnischen Gefahren schreiben, die von Google ausgehen. Ein oder zwei Gedanken möchte ich an dieser Stelle aber einwerfen, die mir bei den Unterhaltungen der letzten Tage durch den Kopf gingen.

Es mag sein, dass Chrome in den diversen Browserstatistiken nach zwei Tagen bereits an Safari oder Opera vorbeigezogen ist. Aber dies sind die “Ausprobierer”, die erste Welle der “early adopters”. Wie im Artikel bei Spiegel online schöne geschrieben, wird Leistung bei Browsern nicht belohnt. Opera gibt es mittlerweile beinahe schon für Mikrowellenherde, auf so viele Betriebssystem wurde dieser hervorragende Browser protiert. Firefox wird seit Jahren gepusht (und, siehe oben, von Google mit zweistelligen Millionenbeträgen unterstützt) und was ist? Nichts ist, wahrscheinlich so um die 20% Marktanteil bei einer Missionierungsquote, dass man einen durchschnittlichen OpenSource-Anhänger nicht einmal nach der Uhrzeit fragen kann, ohne Firefox installiert zu bekommen. Aber die Masse der Leute ist faul und die Masse der Firmenadmins konservativ. Und auch mit dem IE lässt sich schliesslich die Google-Homepage aufrufen. Warum also einen anderen Browser installieren? Was viele der Einwohner des digitalen Dorfs vergessen: die meistens Leute sind Endanwender, die wollen nicht installieren, sondern ihre Social Networking Sites besuchen und ein paar Videos gucken. Daher ist das Ziel von Google IMHO auch ein längerfristiges. Wenn man die Hardwarehersteller dazu bekommt, irgendwann Chrome als Standard auszuliefern, dann fängt die Sache an, interessant zu werden.

Der zweite Punkt ist der, dass sich das Image von Google zu wandeln beginnt. War die Firma aus Mountain View zu Beginn vor 10 Jahren der Underdog und fünf Jahre später die Verheissung für das Web der Zukunft, so (siehe den Golem-Artikel) muss man sich heute mit Nutzungsbestimmungen rumschlagen, die von Datenschützen (völlig zu recht) kritisiert werden. An dieser Stelle eine Frage nach Kalifornien: “Mr. Schmidt, wenn die Texte für die EULA ‘aus Versehen von einem anderen Produkt kopiert’ wurden: für wie doof halten Sie die Webgemeinde und wer macht da seinen Job nicht richtig?” Das ist einfach unprofessionell…

Und zu guter Letzt: was, wenn die Leute von den Datenschützern nicht erlöst werden wollen? Vielleicht deswegen, (sorry, gibt es nur in Englisch) wie Jeff Atwood so schön schreibt? Die menschliche Bequemlichkeit schlägt so ziemlich alles, solange es nicht brenzlig wird. Viele Leute verhalten sich da wie der berühmte Frosch, der ganz langsam zu Tode gekocht wird. Ein Zitat aus meiner Umgebung: “Wenn Google aber doch das findet, was ich suche, was ist da schlimm?” – “O tempora, o mores” zu schreien, bringt gar nichts. Ich denke, wir müssen uns damit abfinden, dass sich seit “panem et circensis” nicht so viel geändert hat. Wenn viele für die Bereitstellung von Suche und Webapps bereit sind, dafür mit Ihren Konsumentenprofilen zu bezahlen, wer will sie aufhalten? Man hält die Leute ja auch nicht dadurch vom Qualmen ab, dass man dumme Sprüche auf die Schachteln klebt …

Flow — von Kindern lernen

25. Juli 2008 Arminius Kommentare ausgeschaltet

Ich habe gestern ein sehr interessantes Interview mit Dr. Mihaly Csikszentmihalyi gefunden. Nebenbei bemerkt, ich kann den Namen immer noch nicht richtig aussprechen. Hier ist der Interview-Link. Berühmt wurde Dr. Csikszentmihalyi durch den von ihm geprägten Begriff des Flow. Nach dem Lesen des Interviews und einigen anderen Seiten wurde mir wieder bewusst, wieviel ich in dieser Beziehung von meiner kleinen Tochter lernen kann. Das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit und die damit verbundene Konzentration sowie das aus dieser Tätigkeit erzielbare Glücks- und Erfolgsgefühl ist etwas, bei dem wir Erwachsene wieder viel von Kindern lernen können. Wer sich mit dem Thema “Flow” noch nicht näher beschäftigt hat, findet am Ende des Artikels einige Links dazu.

Flow ist etwas, das wir als Erwachsene sehr wahrscheinlich wesentlich seltener erleben als Kinder. Dies begint bereits an einer ganz einfachen Tatsache. Kinder veranstalten kein “Kick-off Meeting” zum Thema und beschließen dann, “in unserem neuen Projekt spielen wir jetzt Ritter und Prinzessin“, sondern sie fangen einfach an. Darüber hinaus haben Kinder (und kindlich gebliebene Erwachsene, wobei diese Klassifikation für mich mit das höchste Lob darstellt, aber das ist ein anderes Posting) den Vorteil, keine “innere Schere” im Kopf zu haben, die ein Sich-Einlassen auf Flow schon dadurch verhindert, dass viele Ansätze gar nicht verfolgt werden, die zu Flow führen könnten. “Das haben wir ja noch nie gemacht”, “klappt bestimmt nicht”, “was soll denn das bringen”, dies sind noch die harmloseren Formen der Gruppen- und Selbstzensur.

Eine weitere wesentlich Voraussetzung (siehe dazu auch den Link von Alan Baddeley unten) ist das Einlassen auf eine Tätigkeit und das Verhindern einer Überfrachtung des Arbeitsgedächtnisses. Ein Kind, das sich in eine Beschäftigung vertieft hat und ein Erwachsener, der in seiner Aufgabe “versinkt”, blenden alle störenden Einflüsse aus und können sich mental ohne Ablenkung ihrer Aufgabe widmen. Eine Hilfestellung hierzu sind “Konzentrations-Katalysatoren” in Form bestimmter Plätze, Rituale oder Gegenstände. Wer regelmäßig in seinem “Ideen-Eck” oder dem “Zeichenplatz” kreativ sein kann und diesen Platz auch dediziert für diesen Zweck nutzt und so die positive Wirkung als “Flow-Katalysator” verstärkt, findet an diesem Platz leichter in einen entsprechenden Zustand als eines der armen Geschöpfe, die sich zu .com-Zeiten in den Firmen jeden Morgen auf die Jagd nach einem Rollcontainer und einem “Nomaden-Schreibtisch” machten …

Hat man dann seinen Platz, sollte die aktuelle Aufgabe das Wichtigste sein. Wenn ich koche, dann koche ich (gut, als Hobbykoch bin ich da vorbelastet, aber ich wollte mir um diese Uhrzeit kein anderes Beispiel aus den Fingern saugen), was bedeutet, ich denke nicht über IT-Theman nach oder sehe nebenbei fern, sondern gehe in der Tätigkeit auf. Nur dann bekomme ich irgendwann auch eine tolle Idee für eine Variation oder kann während des Kochens aus dem Bestand in der Küche das Gericht entwickeln. Schön ist es, für ein gericht gelobt und nach dem Rezept gefragt zu werden, das “einfach so” entstand, im Flow des Kochens.

Gerade diese Achtsamkeit, das auch in der buddhistischen Tradition verankerte bewusste Tun und Sein ist eine wichtige Voraussetzung, um Flow erleben zu können. Nur dann ist ein auch im Sinn der Informationsdiät erfolgreiches Ausführen einer Aufgabe möglich. Ich habe neulich in einem Blog (gerade gesucht, den Link im digitalen Mahlstrom verloren) gelesen, “dont’ write the mail message, be the mail message“. Das ist vielleicht etwas arg pathetisch, trifft aber den Kern der Sache. Ich habe bereits geschrieben, dass Multitasking nur eine Pseudo-Erleichterung darstellt. Auf der Suche nach Flow wird es geradezu zum gerade oben erwähnten tödlichen Strudel, in dessen Sog die konzentrierte Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Konzentration in mentaler Zerfaserung endet.

Dies ist etwas, das uns Kinder voraus haben (welch chronologisch wirre Formulierung!), den hier wird dem Kind vor der Schulzeit (hoffentlich) die Zeit gelassen, Dinge in seinem eigenen Tempo zu entdecken und sich einer Sache, dieser einen Sachen zu dieser einen Zeit, zu widmen und so Höchstleistungen zu erreichen. Heutzutage verhindern bei Erwachsenen alle möglichen Kleinigkeiten diese Achtsamkeit (wenn Sie zu den Leuten gehören, die die Tür Ihres Büros schließen und die “DND”-Taste am Telefon drücken können, gehen Sie morgen zu Ihrem Chef und danken Sie ihm dafür! Ich tu’s …) verhindern. Was mir dann wieder zu denken gibt, sind Seiten wie diese, in denen jungen Mädchen erläutert wird, wie toll Flow ist und wie man leichter Flow erlebt. Anscheinend ist die Zeit, in der sich das Gehirn und der Körper nach eigenen Maßstäben Informationen aneignen, zeitlich begrenzter, als ich dachte. Vielleicht habe ich das aber auch nur verdrängt …

Links und Bücher zum Thema Flow: