Es ist faszinierend zu sehen, wie die (noch dazu etwas verfrühte) Bereitstellung der Betaversion einer Software Schockwellen durchs Netz und die Offline-Medienwelt treiben kann. Spätestens, wenn in den abendlichen Hauptnachrichten im Fernsehen über die Veröffentlichung einer Software berichtet wird, wird einem bewusst, wie sehr das Web mittlerweile in den Alltag eingedrungen ist. Für eine ganze Reihe von Internetnutzen, auch in meinem persönlichen Bekanntenkreis, ist Google das Internet. Genau wie im Artikel von Fank Patalong unten ist die unscheinbare kleine Textbox für die Suchanfragen das Tor zum Web. Sehr interessant finde ich den Artikel in Wired, vor allem die auch in anderen Blogs genannte Aussage, dass das Projekt “Browser und WebApp-Runtime” wohl schon einige Jahre länger geplant war, aber erst jetzt die Kriegskasse und die Marktdurchdringung groß genug ist, das zu wagen.
Steven Levy, “Inside Chrome: The Secret Project to Crush IE and Remake the Web”
http://www.wired.com/techbiz/it/magazine/16-10/mf_chrome
Ulf Schönert, “Google hat nichts zu verschenken”
http://www.stern.de/computer-technik/internet/:Kommentar-Google/638037.html
Ben Gerten, “Haben Sie´s gewußt: Google finanziert den Firefox”
http://blogs.taz.de/frauprokop/2008/09/05/google_finanziert_firefox_mozilla_chrom/
Golem.de: Chrome: Google ändert Nutzungsbedingungen
http://www.golem.de/0809/62201.html
Frank Patalong, “Wie Google den Desktop kapern will”
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,575751,00.html
Scott Loganbill, “How Chrome Changed the Web Overnight”
http://www.webmonkey.com/blog/How_Chrome_Changed_the_Web_Overnight
Natürlich könnte ich mich jetzt der Meinung vieler anderer anschließen und hier über die datenschutztechnischen Gefahren schreiben, die von Google ausgehen. Ein oder zwei Gedanken möchte ich an dieser Stelle aber einwerfen, die mir bei den Unterhaltungen der letzten Tage durch den Kopf gingen.
Es mag sein, dass Chrome in den diversen Browserstatistiken nach zwei Tagen bereits an Safari oder Opera vorbeigezogen ist. Aber dies sind die “Ausprobierer”, die erste Welle der “early adopters”. Wie im Artikel bei Spiegel online schöne geschrieben, wird Leistung bei Browsern nicht belohnt. Opera gibt es mittlerweile beinahe schon für Mikrowellenherde, auf so viele Betriebssystem wurde dieser hervorragende Browser protiert. Firefox wird seit Jahren gepusht (und, siehe oben, von Google mit zweistelligen Millionenbeträgen unterstützt) und was ist? Nichts ist, wahrscheinlich so um die 20% Marktanteil bei einer Missionierungsquote, dass man einen durchschnittlichen OpenSource-Anhänger nicht einmal nach der Uhrzeit fragen kann, ohne Firefox installiert zu bekommen. Aber die Masse der Leute ist faul und die Masse der Firmenadmins konservativ. Und auch mit dem IE lässt sich schliesslich die Google-Homepage aufrufen. Warum also einen anderen Browser installieren? Was viele der Einwohner des digitalen Dorfs vergessen: die meistens Leute sind Endanwender, die wollen nicht installieren, sondern ihre Social Networking Sites besuchen und ein paar Videos gucken. Daher ist das Ziel von Google IMHO auch ein längerfristiges. Wenn man die Hardwarehersteller dazu bekommt, irgendwann Chrome als Standard auszuliefern, dann fängt die Sache an, interessant zu werden.
Der zweite Punkt ist der, dass sich das Image von Google zu wandeln beginnt. War die Firma aus Mountain View zu Beginn vor 10 Jahren der Underdog und fünf Jahre später die Verheissung für das Web der Zukunft, so (siehe den Golem-Artikel) muss man sich heute mit Nutzungsbestimmungen rumschlagen, die von Datenschützen (völlig zu recht) kritisiert werden. An dieser Stelle eine Frage nach Kalifornien: “Mr. Schmidt, wenn die Texte für die EULA ‘aus Versehen von einem anderen Produkt kopiert’ wurden: für wie doof halten Sie die Webgemeinde und wer macht da seinen Job nicht richtig?” Das ist einfach unprofessionell…
Und zu guter Letzt: was, wenn die Leute von den Datenschützern nicht erlöst werden wollen? Vielleicht deswegen, (sorry, gibt es nur in Englisch) wie Jeff Atwood so schön schreibt? Die menschliche Bequemlichkeit schlägt so ziemlich alles, solange es nicht brenzlig wird. Viele Leute verhalten sich da wie der berühmte Frosch, der ganz langsam zu Tode gekocht wird. Ein Zitat aus meiner Umgebung: “Wenn Google aber doch das findet, was ich suche, was ist da schlimm?” – “O tempora, o mores” zu schreien, bringt gar nichts. Ich denke, wir müssen uns damit abfinden, dass sich seit “panem et circensis” nicht so viel geändert hat. Wenn viele für die Bereitstellung von Suche und Webapps bereit sind, dafür mit Ihren Konsumentenprofilen zu bezahlen, wer will sie aufhalten? Man hält die Leute ja auch nicht dadurch vom Qualmen ab, dass man dumme Sprüche auf die Schachteln klebt …
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